Grenzerfahrung

Ob Dennis genau so begeistert wäre, wenn er wüsste, was auf ihn zukommt? In den Sommerferien wird er mit einer Gruppe von acht, neun Kindern und zwei Betreuern zu Fuß von Bozen ins SOS-Feriencamp Caldonazzo in Norditalien laufen. Die Wanderung wird gut eine Woche dauern. Bereits in den nächsten Tagen trifft sich die Gruppe zu ersten Vorbereitungen, denn auch die Organisation soll in ihrer Hand liegen: Was packe ich in den Rucksack? Besteck, Taschenlampe, Schlafsack… Und wie viele T-Shirts brauche ich wirklich? Schließlich muss ich das ganze Gepäck Tag für Tag auf dem Rücken schleppen.

Bevor es im Sommer ernst wird, werden sich die Kinder – alle im Alter von zehn Jahren und aufwärts – noch einige Male zusammensetzen und auch mal ein Probewochenende in der Nähe des Kinderdorfs in Zelten verbringen.

Blogeintrag 14.5.2008

Dennis freut sich riesig auf die Wanderung und träumt schon vom großen Abenteuer, das er bestimmt erleben wird, aber genauso sicher wird er auch an seine Grenzen kommen, was ich gut finde. Durch sein Verhalten in den letzten Monaten ist er mehr und mehr zum Außenseiter geworden. „Ich kann alles, ich weiß alles!“ – mit dieser Haltung findet man nicht gerade viele Freunde. Nun muss er sich in der Praxis beweisen und das in vielerlei Hinsicht: Jeden Tag werden die Kinder ein gutes Stück laufen müssen, egal, ob es regnet oder die Sonne vom Himmel brennt. Sie müssen selbständig Feuer machen, für ihr Essen sorgen und nachts ohne Familie in einer unbekannten Gegend in Zelten übernachten.

Dennis tut ja immer so stark, aber dahinter stecken viele Ängste, die sicher hochkommen werden. Und er wird sich in eine Gruppe einfügen und mit den anderen kooperieren müssen, was ihm gar nicht leicht fällt. Er lässt sich kaum was sagen und hat wenig Respekt, egal, ob ihm ein Kind oder ein Erwachsener gegenübersteht. Ein anderer Junge wird mit dabei sein, mit dem Dennis immer mal wieder für eine Stunde spielt, bis die beiden garantiert zu raufen beginnen; keine Ahnung, wie sie sich während der Tour arrangieren. Ich bin nur froh, dass die beiden Betreuer sehr gut ausgebildet sind und mit solchen Situationen umgehen können.

So sehe ich diese Wanderung für Dennis vor allem als Chance: sich zu überwinden, Selbstvertrauen zu finden und sich als Teil einer Gruppe zu erleben. Ich bin gespannt!

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