Backen und Beten

„Und das machst du wirklich für mich?“ Nun lebt Jacqueline schon so viele Jahre hier im Kinderdorf in unserer Familie, aber immer noch ist sie verwundert und überglücklich, wenn sie feststellt, dass ich etwas für sie tue, einfach nur, weil ich sie gern habe, weil sie mir wichtig ist.

Jacqueline geht in diesem Jahr als einziges Kind ihrer Schule zur Erstkommunion. Normalerweise finden zur Vorbereitung auf die Feier Tischrunden statt, bei denen sich die Jungen und Mädchen gemeinsam vorbereiten – was schlecht möglich ist, wenn Jacqueline alleine ist. Deshalb habe ich beschlossen, selbst diesen Part zu übernehmen und mich ab sofort einmal in der Woche mit ihr hinzusetzen und die verschiedenen Themen zu erarbeiten.

Jacqueline kann es gar nicht glauben! Kaum etwas hat für sie einen solchen Stellenwert wie diese Stunden, die sie ganz mit mir alleine hat. Vom Pfarramt habe ich schon die Unterrichtsmaterialien bekommen. Vieles ist recht anschaulich. Wenn es zum Beispiel um den Leib Christi geht, werden wir zusammen Brot backen, das wir anschließend mit den anderen Kindern teilen. Wir lesen Geschichten aus der Bibel, Gebete, in dieser Woche basteln wir ein Kreuz, später werden wir die Kommunionskerze selber machen – und sicher als Erinnerungsstück aufbewahren, wie wir das auch schon mit der Kerze von Dennis (Foto), Jacquelines älterem Bruder, getan haben.

Ein großer Tag
Für mich als Protestantin bedeuten die Vorbereitungsstunden wieder mal einen Ausflug in die katholische Kirche, was ich immer interessant finde. In unserer Familie sind ja beide Religionen vorhanden, Sebastian und ich sind evangelisch, die anderen katholisch. Weltweit leben in vielen Kinderdorf-Familien Jungen und Mädchen verschiedener Religionen zusammen, was nie ein Problem ist, im Gegenteil: Wenn Menschen verschiedenen Glaubens miteinander groß werden, kann das ja nur die Toleranz fördern!

In der Regel besuchen wir abwechselnd die katholische und die evangelische Kirche – und an vielen Sonntagen bleiben wir auch einfach zu hause. An Gott zu glauben bedeutet ja nicht nur in die Kirche zu gehen.

Jacqueline freut sich schon riesig auf ihren Kommunionstag und ich vermute mal, dass hängt nicht nur mit dem Glauben zusammen, sondern auch damit, dass sie im Mittelpunkt stehen wird – in einem wunderschönen weißen Kleid.

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1 Response to “Backen und Beten”


  1. 1 Marianne Montag, 14. April 2008 um 19:10

    Hallo Alexandra,
    Danke für deine so anschaulichen Einblicke in deinen Alltag im SOS Kinderdorf! Ich bin immer gespannt neues von Dir zu lesen. Ich kann mir gut vorstellen wie schwierig dieser Alltag manchmal sein kann. Ich selbst habe „nur“ 2 Kinder, die mich aber auch ganz schön auf Trab halten.
    Liebe Grüße
    Marianne


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