Dennis Lebensbuch

So geht es definitiv nicht weiter! Das war die eindeutige und sehr ernst gemeinte Botschaft, die gestern an Dennis ging. Zusammen mit einem Vertreter des Jugendamts, Dennis Therapeuten und unserem Familiencoach hatten wir uns zum Krisengespräch getroffen, auch Dennis leibliche Mutter wusste Bescheid. Immer vehementer hatte Dennis, 11 Jahre, in letzter Zeit seine Umwelt tyrannisiert. Dennis beschimpft seine Geschwister, bedroht andere Kinder, er geht die Lehrerin an, verweigert die Mitarbeit in der Schule und hat angefangen zu klauen. Seit einiger Zeit ist er auch für mich kaum noch zu erreichen. Als er jetzt im Gespräch mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, reagierte er trotzig: „Ist mir doch wurscht!“

Blogeintrag 3.4.2008Wer bin ich?
Ich hoffe dennoch sehr, dass er diesen Warnschuss verstanden hat, aber sicher bin ich mir nicht. Dennis kommt in die Pubertät und auch damit hängen seine massiven Probleme zusammen. Es kommen ganz andere Fragen hoch: Wer bin ich? Wo sind meine Wurzeln? Warum bin ich im Kinderdorf? Ich habe mich deshalb entschieden, zusammen mit Dennis in diesem Jahr ein großes Projekt zu beginnen: sein persönliches Lebensbuch.

In so ein Lebensbuch kommt alles hinein, was zu dem Menschen gehört: der Ort, an dem er geboren wurde, die Namen seiner Eltern, seiner Großeltern, die ersten Schritte, die ersten Worte, die ganze Entwicklung. Auch Dennis leibliche Mutter wird mitmachen, sie war begeistert von der Idee und will versuchen, Babyfotos von Dennis zu organisieren.

Dennis selbst wird großen Anteil daran haben, das Buch zu füllen, zum Beispiel, in dem er seine wichtigen Bezugspersonen befragt oder vielleicht zusammen mit mir zu dem Krankenhaus fährt, in dem er auf die Welt gekommen sind. Ich kenne einige Jugendliche bei uns im Kinderdorf, die mit großem Elan an ihrem Lebensbuch gearbeitet haben.

Natürlich werde ich Dennis dabei begleiten, dies ist ja ein sehr emotionaler Prozess. Mit Sicherheit werden Themen hochkommen, die nicht leicht zu verarbeiten sind, alte Wunden können aufbrechen, wenn vielleicht zur Sprache kommt, warum Dennis nicht bei seiner leiblichen Mutter lebt. Dennoch finde ich es wichtig, sich da heranzuwagen. Die Fragen sind ja ohnehin da, sie werden immer drängender – und es ist Dennis Recht, auch Antworten zu bekommen.

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1 Response to “Dennis Lebensbuch”


  1. 1 cathrin Montag, 7. April 2008 um 19:23

    Hallo,

    ich wollte Ihnen nur mein großes Kompliment aussprechen! Ich finde es wundervoll, wenn Menschen sich so angagieren! Zur Zeit mache ich noch Abitur, aber für mich steht schon lange fest, dass ich später SOS- Kinderdorfmutter werden möchte!
    Ich finde die Arbeit die ihr leistet toll! Hut ab!

    Lieben Gruß,

    Cathrin


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