Wir kriegen das hin

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit ist die Stimmung im Kinderdorf in allen Häusern ziemlich aufgeladen. Einerseits lieben die Kinder all die Rituale und die Adventsstimmung, andererseits ist es für viele schwer auszuhalten, dass sie all dies nicht mit ihren leiblichen Eltern erleben können, mit denen sie sich nach wie vor sehr verbunden fühlen. In unserer Familie beutelt es vor allem den großen Dennis. Wer dieses Tagebuch schon länger verfolgt, kennt das Auf und Ab, durch das Dennis immer wieder geht – und wir mit ihm.

Blogeintrag 13.12.2007

Zurzeit befinden wir uns wieder ganz unten. Gestern war Elternsprechtag in der Schule meiner beiden Ältesten. Bei Sebastian war alles sehr gut, die Leistung, die Mitarbeit, bei Dennis überhaupt nicht. Offenbar verweigert er sich ständig, läuft aus dem Unterricht raus und beschimpft die Religionslehrerin. Mich wundert das nicht, denn Zuhause setzt sich sein Verhalten fort: Dennis ist aggressiv, lässt schlechte Noten verschwinden, und wenn ich ihm vorschlage, mit ihm zu üben, lehnt er mürrisch ab.

Auch Jacqueline, Dennis leibliche Schwester, gerät unter Druck, weil Dennis sie auf seine Seite ziehen will. In den letzten Tagen war sie ungewohnt aufmüpfig und hat sich ansonsten sehr zurückgezogen, aber letztendlich hält sie so etwas nie lange durch. Schließlich hat sie mir gestanden, dass sie das eigentlich gar nicht wollte und Dennis sie bedrängt habe.

Traurig und wütend
Wie kommen wir da raus? Einerseits bestehe ich darauf, dass sich Dennis an die Regeln hält. Er darf zum Beispiel erst dann zum Spielen nach Draußen, wenn er seine Schulaufgaben gemacht hat. So hat er die letzten beiden Tage eben in der Wohnung verbracht, meist saß er dicht hinter mir und hat mich permanent provoziert. Er kann dabei sehr verletzend sein, aber ich versuche ihn zu ignorieren. Ich habe gemerkt, dass ihn das am ehesten zum Nachdenken bringt. Er soll auch ruhig merken, dass er mich traurig und wütend macht, dass sein Verhalten also Konsequenzen hat. Wenn Dennis später zum Beispiel mal eine Lehre macht, wird sich sein Lehrherr so etwas sicher nicht gefallen lassen.

Aber das kriegen wir hin! Im Laufe der Jahre als Kinderdorf-Mutter bin ich deutlich gelassener geworden. Je besser man auch die Kinder kennt, desto eher kann man mit solchen Situationen umgehen. Und trotz allem genießen wir den Advent. Vor allem die beiden Kleinen kommen aus dem Staunen nicht raus – als letzte Woche der Nikolaus da war, hat Mario sich gleich auf seinen Schoß gesetzt und wollte gar nicht mehr runterkommen.

Bis nächste Woche, Alexandra

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1 Response to “Wir kriegen das hin”


  1. 1 Gunhild Samstag, 15. Dezember 2007 um 11:31

    Liebe Alexandra, es scheint eine unbändige Wut zu sein, die Dennis umtreibt, Wut über die Verletzungen, die er früher hilflos und machtlos hat hinnehmen müssen. Wenn es nur eine Möglichkeit gäbe, diese Wut einmal endgültig hinter sich zu lassen…
    Gut ist nur, so anstrengend das für alle Beteiligten ist, dass er die Aggressionen rauslässt und nicht nach innen richtet.
    Ich wünsche Ihnen viel Geduld und alles Gute!
    Und ich freue mich jede Woche auf Ihren Beitrag.
    Liebe Grüße,
    Gunhild


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