Archiv für Dezember 2007

Von uns für euch

Und irgendwann wird es dann richtig weihnachtlich. Bei uns ist es heute soweit, am Nachmittag feiern wir mit dem ganzen Kinderdorf ein besonderes Fest. Die Idee hatte vor vier, fünf Jahren ein Mitarbeiter, seitdem bekommen wir alle glänzende Augen, wenn es los geht. Sobald es dämmert, wandern alle Kinder, Mütter, Mitarbeiter mit Fackeln und Laternen zu einem kleinen Wäldchen in der Nähe des Kinderdorfs. Dort erwarten uns zwei Hirten – einen davon spielt Erwin – die bereits ein Lagerfeuer gemacht haben, über dem ein großer Topf Kinderpunsch hängt. Wir setzen uns um das Feuer, singen Weihnachtslieder und unser Dorfleiter liest die Weihnachtsgeschichte vor. Anschließend suchen die Kinder das Jesus-Kind für unsere große Krippe vor dem Gemeindehaus. Wenn es gefunden ist, wandern wir wieder zurück und legen das Kindlein in die Krippe. Ich finde es schon faszinierend, welche Magie solche Bräuche haben und bei weitem nicht nur für die Kinder.

weihnachten_tpa_picture_32563.jpgWas haben wir sonst für Traditionen? Den Baum schmücke ich immer in der Nacht zu Heiligabend. Die Türen sind zu und kein Kind darf hineinkommen. An Heiligabend selbst schicke ich die Kinder am Vormittag meist nach draußen, am schönsten ist es natürlich, wenn Schnee liegt und sie Bob fahren können. Danach gehen wir in die Kindermesse; da wir sowohl katholische, als auch evangelische Kinder in der Familie haben, wechseln wir ab – diesmal ist die evangelische Kirche dran. Vor der Kirche steht das Friedenslicht, das von Jerusalem hierher gebracht worden ist. Wir haben eine Laterne dabei und nehmen es mit nach Hause. All unsere Christbaumkerzen werden damit angezündet. Naja, und dann wird gegessen, ich weiß noch gar nicht, was ich in diesem Jahr kochen werde, und schließlich Bescherung gemacht. Ich bin schon sehr gespannt, was die Kinder sich für uns ausgedacht haben. In den vergangenen Wochen haben sie sich verdächtig oft mit Schere, Kleber und Bastelsachen in ihr Zimmer zurückgezogen.

An einem Großprojekt werde ich in diesen Tagen auch noch ein bisschen mithelfen: Sebastian und der große Dennis möchten für Erwin, den größten Gärtner unter uns, eine Miniaturausgabe unseres Gartens bauen und wissen nicht so recht weiter. Wir haben schon Moos getrocknet, Kieselsteine gesammelt; aus Zahnstochern machen wir den Rosenbogen, aus Ton haben wir Ziegelsteine hergestellt. Das wird dann alles auf eine Platte geklebt – eine tolle Idee, finde ich, nur die Zeit wird langsam knapp.

Das war’s dann auch von mir in diesem Jahr. Bei allen Lesern möchte ich mich bedanken, für euer Interesse, eure Anteilnahme, Anregungen, Nachfragen. Mir hat es großen Spaß gemacht, euch von uns zu erzählen!

Ich wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr.
In der ersten Januarwoche melde ich mich wieder, bis dahin alles Liebe,

Eure Alexandra

Wir kriegen das hin

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit ist die Stimmung im Kinderdorf in allen Häusern ziemlich aufgeladen. Einerseits lieben die Kinder all die Rituale und die Adventsstimmung, andererseits ist es für viele schwer auszuhalten, dass sie all dies nicht mit ihren leiblichen Eltern erleben können, mit denen sie sich nach wie vor sehr verbunden fühlen. In unserer Familie beutelt es vor allem den großen Dennis. Wer dieses Tagebuch schon länger verfolgt, kennt das Auf und Ab, durch das Dennis immer wieder geht – und wir mit ihm.

Blogeintrag 13.12.2007

Zurzeit befinden wir uns wieder ganz unten. Gestern war Elternsprechtag in der Schule meiner beiden Ältesten. Bei Sebastian war alles sehr gut, die Leistung, die Mitarbeit, bei Dennis überhaupt nicht. Offenbar verweigert er sich ständig, läuft aus dem Unterricht raus und beschimpft die Religionslehrerin. Mich wundert das nicht, denn Zuhause setzt sich sein Verhalten fort: Dennis ist aggressiv, lässt schlechte Noten verschwinden, und wenn ich ihm vorschlage, mit ihm zu üben, lehnt er mürrisch ab.

Auch Jacqueline, Dennis leibliche Schwester, gerät unter Druck, weil Dennis sie auf seine Seite ziehen will. In den letzten Tagen war sie ungewohnt aufmüpfig und hat sich ansonsten sehr zurückgezogen, aber letztendlich hält sie so etwas nie lange durch. Schließlich hat sie mir gestanden, dass sie das eigentlich gar nicht wollte und Dennis sie bedrängt habe.

Traurig und wütend
Wie kommen wir da raus? Einerseits bestehe ich darauf, dass sich Dennis an die Regeln hält. Er darf zum Beispiel erst dann zum Spielen nach Draußen, wenn er seine Schulaufgaben gemacht hat. So hat er die letzten beiden Tage eben in der Wohnung verbracht, meist saß er dicht hinter mir und hat mich permanent provoziert. Er kann dabei sehr verletzend sein, aber ich versuche ihn zu ignorieren. Ich habe gemerkt, dass ihn das am ehesten zum Nachdenken bringt. Er soll auch ruhig merken, dass er mich traurig und wütend macht, dass sein Verhalten also Konsequenzen hat. Wenn Dennis später zum Beispiel mal eine Lehre macht, wird sich sein Lehrherr so etwas sicher nicht gefallen lassen.

Aber das kriegen wir hin! Im Laufe der Jahre als Kinderdorf-Mutter bin ich deutlich gelassener geworden. Je besser man auch die Kinder kennt, desto eher kann man mit solchen Situationen umgehen. Und trotz allem genießen wir den Advent. Vor allem die beiden Kleinen kommen aus dem Staunen nicht raus – als letzte Woche der Nikolaus da war, hat Mario sich gleich auf seinen Schoß gesetzt und wollte gar nicht mehr runterkommen.

Bis nächste Woche, Alexandra

Danke!

071206-2.jpgBeim Rodeln hat sich Tobias, mein Jüngster, ein Bein gebrochen. Glücklicherweise ist es kein komplizierter Bruch, aber er hat einen Gipsverband bekommen und muss rund um die Uhr liegen. Nicht gerade die einfachste Übung für ein zweijähriges Kind – um so mehr fasziniert mich der Kleine. Er ist rundum zufrieden und grinst über das ganze Gesicht. Offensichtlich genießt er den Zustand: Sein Bettchen steht, je nachdem, wo ich mich aufhalte, in der Küche oder im Wohnzimmer. Er ist also immer in meiner Nähe und bekommt viel Zuwendung. Das spornt ihn so sehr an, dass er in den letzten Tagen seinen Wortschatz – ich würde fast sagen: verdreifacht hat.

Wer mit dieser Situation überhaupt nicht klarkommt, ist Jacqueline. Gestern hat sie zum Schulbusfahrer gesagt, dass sie sich vielleicht auch etwas brechen sollte, dann würde sich die Mutti so um sie kümmern wie jetzt um Tobias. Ihren kleinen Bruder behandelt sie sehr liebevoll, aber mich lässt sie ihre Eifersucht deutlich spüren, ist mürrisch, zerbricht „ganz aus Versehen“ einen Kochlöffel, um meine Aufmerksamkeit zu gewinnen oder kann plötzlich nicht mehr alleine rechnen, so dass ich mich zu ihr setzen muss. Ich denke, dass ich an einem der nächsten Abende ganz allein mit Jacqueline Weihnachtsplätzchen backen werde. Die Anderen kommen dann möglichst bald auch dran, mit jedem meiner Kinder backe ich sein Lieblingsgebäck, das ist Tradition.

071206.jpgIch selbst bin schon in einer ganz angenehmen Weihnachtsstimmung. Ich kann die Adventszeit mit all der Backerei, dem Dekorieren und Besorgen richtig genießen und vor allem bin ich dankbar. Darf ich das mal loswerden? Den Paten der Kinder möchte ich danken. Viele von ihnen haben irgendwann mal bei uns vorbeigeschaut, weil sie wissen wollten, was mit ihrem Geld passiert – ich finde das völlig in Ordnung. Aus den ersten Besuchen haben sich viele sehr persönliche Kontakte entwickelt, die für die Kinder eine große Wertschätzung bedeuten. Eine ganz liebe Patin brachte uns im letzten Jahr an Weihnachten einen Truthahn vorbei, der so riesig war, dass wir ihn kaum in den Ofen bekommen haben.

Auch unser Hauspate, ein großer Stromversorger, ist sehr engagiert. Zum Beispiel wurden uns eigens zwei Elektriker an die Seite gestellt, um Garten und Teich kindgerecht mit Licht auszustatten, und einige Mitarbeiter schauen immer mal wieder mit ihren eigenen Kindern bei uns vorbei. Da knüpfen sich Freundschaften.

Den Therapeuten und Lehrern meiner Kinder danke ich für ihre Liebe und Geduld, mit denen sie den Kindern immer wieder ein Stück weiterhelfen. Besonders danke ich Erwin, meinem Partner, der mit mir die schönen Tage teilt und mich durch die schlechten trägt. Und am meisten den Kindern, von denen ich so viel lerne: Dass man Schwierigkeiten überwinden kann. Jedes von ihnen hat ja schon eine schwere Krise durchlebt und auf seine Weise gemeistert. Und dass alle Dinge ihre Zeit brauchen und nicht zu erzwingen sind. Und dass es wunderbar sein kann, mit gebrochenem Bein im Bett liegen zu müssen.


DANKE

Nach einem guten Jahr habe ich dieses Weblog abgeschlossen. Ich möchte mich bei allen Lesen und Kommentatoren für die rege Teilnahme und Diskussion bedanken. Die bisher erschienen Einträge werden Sie weiterhin hier finden. Viele Grüße, Alexandra

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