Aus dem Lot

Früher habe ich das persönlich genommen: Wenn Dennis (der Kleine) plötzlich aggressiv wurde. Ich dachte anfangs, er wolle mich damit ärgern. Inzwischen weiß ich, dass er nicht anders kann. Dennis braucht feste Strukturen für sein Wohlbefinden und sobald die ins Wanken geraten, wankt er mit. Jetzt hat also nach den langen Sommerferien der Kindergarten wieder begonnen, eigentlich für ihn schon Umstellung genug, aber dazu kommt noch, dass sein bester Freund seit Herbst in die Schule geht, und Marcel, sein kleiner Hausbruder, nun ebenfalls jeden Tag ein paar Stunden im Kindergarten verbringt – in Dennis Revier.

Plötzlich kann sich Dennis nicht mehr alleine anziehen, brüllt ohne Grund los und zerstört die Sachen der anderen. Ich versuche, gelassen zu bleiben – das hilft mir und ihm. Wenn er sich anzieht, gebe ich Hilfestellung, aber in der Hauptsache warte ich ab. Ich schätze, dass er noch eine Weile brauchen wird.

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Für die Großen ist der Schulanfang eher entspannt verlaufen. Sie waren alle froh, ihre Freunde wiederzusehen, und die Jungs sind stolz auf ihre neuen „Wilde Kerle“-Schreibmappen. Wir hatten im letzten Schuljahr eine Abmachung getroffen: Ich hatte ihnen versprochen, dass sie für jedes Teil, das wir nicht neu kaufen müssen, einen kleinen Zuschuss zum Taschengeld bekommen, und dass ich außerdem, wenn ich sehe, dass sie achtsam mit den Dingen umgehen, auch mal etwas mehr Geld ausgeben würde. Das hat sie enorm angespornt und es hat bei allen Dreien erstaunlich gut funktioniert, sodass ich ihnen die etwas teureren Mappen gekauft habe.

Ich hatte gedacht, nun selber auch wieder ein bisschen mehr Luft zu haben, aber leider hat mich vor ein paar Tagen die Grippe erwischt, und wie es gerade sein soll, ist keine Familienhelferin zur Hand. Also laufe ich mit Husten, laufender Nase und Fieber durchs Haus und sehne den Moment herbei, wo die Kinder im Bett sind. Immerhin war heute eine Praktikantin bei uns, die sich um die Kleinen gekümmert hat. Die Beiden haben ein treffsicheres Gespür dafür, dass ich ihnen zurzeit nicht viel entgegensetzen kann, also machen sie Blödsinn, wo sie können. Die großen Jungs stellen es etwas geschickter an, die Situation zu ihren Gunsten zu nutzen: „Mutti, du brauchst doch jetzt Ruhe, da hast du sicher nichts dagegen, dass wir noch draußen spielen.“ Jacqueline dagegen, auch das ist ganz typisch, hat mir heute schon zweimal Tee gekocht und will mir am liebsten alles abnehmen, so dass ich sie fast bremsen muss.

Ewig wird das Ganze ja hoffentlich nicht dauern – geht gar nicht, denn in den nächsten Wochen steht einiges an: Vier Elternabende, ein Schulvortrag, Impftermine für die Kleinen. Außerdem drängen die Kinder schon seit Tagen, dass wir nun endlich mit der Herbstbastelei anfangen sollen.

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1 Response to “Aus dem Lot”


  1. 1 Daniela Donnerstag, 20. September 2007 um 12:26

    Liebe Alexandra!

    Ich wünsche dir gute Besserung – ich lese deine Beiträge immer mit Begeisterung, und du hast meine vollste Bewunderung für das was du tust.

    Liebe Grüße aus Wien
    Daniela


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