Gurken und zerbrochene Gläser

Was? Jetzt soll alles wieder beim Alten sein? Für Mario und Tobias, die beiden Kleinen, undenkbar! Eine Woche lang dauerte unser Urlaub in Saalbach, und wir haben es sehr genossen, so viel Zeit miteinander zu verbringen, zu spielen, zu wandern – ich hab’s ja letzte Woche erzählt. Zurück im Kinderdorf setzen Mario und Tobias alles daran, diesen Status zu erhalten: Sie toben, werfen sich auf den Boden und sind zornig, wenn die Mutti Wäsche waschen oder kochen oder aufräumen muss. Aber ehrlich gesagt: Dramatisch finde ich das nicht. Sie wären ja dumm, wenn sie es nicht ausprobieren würden! Ich bin sicher, das wird sich schnell wieder legen.

Blogeintrag 29.8.2007

Mit dem großen Dennis geht es wieder etwas besser, nachdem er ja im Urlaub äußerst aggressiv und destruktiv war. Nun ist er mir gegenüber plötzlich extrem liebenswert, malt mir Bilder oder schenkt mir einen Gutschein für fünf Mal Geschirrspüler ausräumen. Sobald er allerdings aus der Tür geht, sieht alles wieder anders aus. Dann zerbricht er in einem Nachbarhaus ein Glas, lässt die Scherben liegen und beschuldigt andere Kinder, es getan zu haben, so dass sich die Kinderdorf-Mutter bei mir beschwert, und am nächsten Tag will er die Kinder von nebenan aus unserem gemeinsamen Pool verjagen und mault deren Mutter an, dass sie ihm gar nichts zu sagen habe. Also spreche ich mit ihm über die Sache und erkläre ihm, dass er auf unserem Grundstück bleiben muss, wenn das nicht anders funktioniert – und sofort ist Dennis wieder nett und folgsam. Ich habe da so eine Vermutung: Mit seinen zehn Jahren kann er weder vor sich, noch vor anderen zugeben, dass er eigentlich ganz gerne bei der Mutti bleiben möchte. Deshalb stellt er gezielt etwas an, damit ich ihn dazu verpflichte, in meiner Nähe zu bleiben.

Ich denke, es wird uns allen gut tun, wenn in zwei Wochen Schule und Kindergarten wieder anfangen und unser Alltag wieder seinen Rhythmus bekommt. Bis dahin verbringen wir die Zeit damit, Ordnung zu schaffen, für die Schule zu lernen und den Urwald vor unserer Tür wieder in einen Garten zu verwandeln. Gestern haben wir die letzten Salatgurken geerntet; von denen hatten wir heuer so viele, dass wir sie bei weitem nicht alle essen konnten. Einige habe ich verschenkt, die restlichen habe ich zusammen mit Jacqueline zu Senfgurken eingekocht. Ist jemand an dem Rezept interessiert?

2 ½ Kg Gurken schälen, halbieren, die Kerne entfernen und die Gurken in 1-2 cm große Stücke schneiden. Einen Esslöffel Salz dazugeben und über Nacht stehen lassen. Im Sieb abtropfen lassen. Für den Sud ½ L Wasser und 1 ½ L Weißweinessig zusammen mit 375 Gr Zucker, 1 EL Senfkörnern und 3-4 kleinen Lorbeerblättern erhitzen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Das Ganze abseihen, aber die Gewürze aufheben. Nun den Sud zum Kochen bringen, acht geviertelte Schalotten, ein Stück in Scheiben geschnittenen frischen Meerrettich und die Gurken hinzugeben. Kurz aufkochen lassen. Die Gurken abwechselnd mit dem Meerrettich, den Schalotten und den Kräutern in ausgekochte Gläser schichten. Kühl aufbewahren und mindestens drei Wochen ziehen lassen.

Guten Appetit  wünscht Alexandra

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4 Responses to “Gurken und zerbrochene Gläser”


  1. 1 Ramona Samstag, 1. September 2007 um 0:07

    Hallo Alexandra,

    mit Freuden verfolge ich seit langer Zeit deine tollen Einblicke in dieses besondere Zusammenleben. Irgendwo habe ich gelesen du hast auch ein Kind mit ADHS. Heute habe ich in RTL Aktuell von ADHS und Ritalin in Kinderheimen und Kinderdörfern gehört. Kinder bekommen angeblich Gehirnschäden und sollten Sun Flower Therapie machen. Verwendest du Ritalin?

    Viele Grüße von Ramona

  2. 2 soskinderdoerfer Dienstag, 4. September 2007 um 11:01

    Liebe Ramona,

    bis zum jetzigen Zeitpunkt verwende ich gar keine Medikamente – weder Ritalin noch sonst etwas. Probiert habe ich es mit Bachblüten und Globuli.

    Wir machen Kindertuina, ich versuche einen gut strukturierten Tagesablauf zu schaffen, und seit einigen Monaten achte ich sehr auf die Ernährung von Dennis (ich habe jetzt zu diesem Thema auch einen Kochkurs bei einer Ernährungsberaterin gemacht). Sehr gut spricht er auch auf Körperkontakt und Massagen sowie Entspannungsmusik an. Ich achte darauf, dass er viel an der frischen Luft ist und sich „auspowern“ kann.

    Erstaunlicherweise war Dennis während unseres Urlaubs sehr entspannt und ausgeglichen und entgegen aller Erwartungen ist er sehr gut mit der Veränderung klar gekommen. Er braucht einfach viel Zuwendung und
    Aufmerksamkeit (was nicht immer ganz leicht ist). In unserem momentanen Rahmen (Familie und Integrationskindergarten) läuft es recht gut, wie wir allerdings die Schulsituation lösen werden, ist noch offen.

    Nahegelegt wurde mir eine medikamentöse Behandlung schon öfters, doch ich bin noch skeptisch und muß mich erst noch genau informieren und sehen, was wirklich das Beste für Dennis ist. Hierbei habe ich Hilfe von unserer Kindergartenleiterin, dem Dorf und Dennis Ergotherapeutin. Er ist ein sehr intelligentes Kind, und ich möchte alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, um für ihn eine optimale Situation sowohl für jetzt, als auch für seine Zukunft zu schaffen.

    Viele Grüße, Alexandra

  3. 3 Markus Dienstag, 11. September 2007 um 23:17

    Guten Tag!

    Ich habe eine Frage an Alexandra: Gibt es bei SOS Kinderdorf speziell ausgebildete Mitarbeiter, die sich um Eltern der Kinder kümmern, oder macht das die SOS Kinderdorfmutter im Rahmen ihrer Aufgaben. Meine Frage begründet sich auf eine Diskussion in Wikipedia, die ich zufälligerweise entdeckt habe.

    Markus

  4. 4 soskinderdoerfer Donnerstag, 13. September 2007 um 20:01

    Hallo, Markus,
    wir SOS-Kinderdorf-Mütter werden in Ausbildung und Weiterbildungen auf die Elternarbeit vorbereitet – und gestalten häufig die Elternbesuche der uns anvertrauten Kinder. Es gibt aber auch speziell ausgebildete Fachkräfte, die die Elternbesuche, falls erforderlich, fachlich begleiten. Außerdem sind im Kinderdorf wie auch in Kinderwohngruppen oder Beratungsstellen Mitarbeiter konkret mit der Arbeit mit Eltern betraut. Ihre Aufgabe ist es, Eltern zu stärken, damit Kinder zurückgeführt werden können.
    Viele Grüße, Alexandra


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