Unter Müttern

Eine unserer Mütter wird nächsten Monat zwei neue Kinder aufnehmen, und wie immer in so einem Fall ist das ganze Dorf schwanger! Abends sitzen wir jetzt manchmal zusammen auf der Terrasse, genießen die warme Sommerluft, trinken ein Glas Wein und stellen uns vor, wie es wird; ihre Freude ist genauso ansteckend wie ihre Aufregung, und gemeinsam überlegen wir, was sie alles vorbereiten muss. Meistens bringen die Kinder ja nicht viel mit. Meine beiden Jüngsten kamen im Pyjama, das war alles, was sie hatten – sie waren vorher im Krankenhaus. Zum Glück gibt es bei uns im Dorf eine Kleiderkammer, hauptsächlich aus Spenden bestückt, aus der wir uns bedienen können. Die meisten Kleidungsstücke meiner Kinder stammen daher, nur einige wenige Stücke kaufe ich neu, ihr Schulgewand zum Beispiel. Es ist für sie mit ihrer speziellen Geschichte sowieso nicht immer leicht gegenüber ihren Klassenkameraden zu bestehen, und da muss man es ihnen nicht noch schwerer machen, indem sie „uncoole“ Hosen oder T-Shirts tragen sollen.

Randalierende Teenager

marcelNaja, und dann spekulieren wir Mütter so weiter, wie wohl die zwei Neuen mit der Eingewöhnung klar kommen und wie die großen Kinder reagieren werden. Solche Gespräche sind oft extrem hilfreich. Wir haben ja in unseren Kinderdorf-Familien alle mit ähnlichen, nicht immer einfachen Situationen zu tun und da tut es gut festzustellen: den anderen geht es genauso! Und man ist für manchen Ratschlag dankbar. Was tut man zum Beispiel, wenn die jugendliche Tochter durchs Dorf zieht und die Blumenkästen umschmeißt? Vor kurzem so passiert – und Diskussionspunkt unserer Mütterrunde, die wir jeden Monat reihum in einem Familienhaus abhalten. Wichtig ist, dass das Mädchen spürt, dass sein Verhalten unter keinen Umständen toleriert wird. Es wurde schließlich dazu verpflichtet, soziale Dienste zu leisten – was durchaus seine Wirkung hat: Wenn man an einem schönen Sommertag gemeinsam mit einem pädagogischen Betreuer den Sportplatz säubern muss, während die Freundinnen zum See gehen, überlegt man sich vielleicht doch, ob man die Blumenkästen beim nächsten Mal besser stehen lässt.

Die Themen gehen uns in der Mütterrunde jedenfalls nicht aus. Die eine erzählt von ihrer Fortbildung, bei der es darum ging, wie man neue Mütterkandidatinnen, die im Haus mitarbeiten, anleitet, die andere schlägt vor, die Dorfregeln zu erweitern: Die Kinder sollen nicht mit dem Fahrrad durch die Wiesen fahren und immer einen Helm tragen. Die nächste möchte, dass wir neue Volleyballnetze kaufen – was unsere Müttersprecherin – die haben wir auch – dann schließlich dem Chef, unserem Dorfleiter, vorschlägt. In der Regel werden unsere Wünsche berücksichtigt, sie sind aber auch immer recht harmlos. Anders bei den Kindern: Wenn man sie fragt, dann hätten sie gerne einen eigenen Tennisplatz. Oder ein Schwimmbad – da würde ich jetzt bei der Hitze auch sofort reinspringen. Aber wir wollen ohnehin später noch an den See gehen. Ein bisschen abkühlen und den Sommer genießen!

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