Abschiede

maedchen-wippe.jpgGestern ist Jacqueline weggefahren. Der Reisebus ist ins Dorf gekommen, wir haben zugesehen, wie ihr Koffer verstaut wurde, dann ist sie schweren Herzens, aber sehr tapfer, eingestiegen. Jacqueline fällt es nie leicht, sich von ihrem Zuhause zu trennen, aber diesmal ist ihre beste Freundin mit dabei, und ich weiß genau, dass es ihr gefallen wird, wenn sie mal am Ziel ist: in Caldonazzo. Für viele Jungen und Mädchen, die im SOS-Kinderdorf aufwachsen, hat dieser Name einen geradezu magischen Klang. Caldonazzo, dieser Ort in Norditalien am gleichnamigen See gelegen, ist für sie der Inbegriff von Sommer, Spaß und Ausgelassenheit.

Seit über 50 Jahren verbringen Kinder aus allen SOS-Kinderdörfern Europas hier in einem riesigen Zeltlager ihre Ferien, während ihre Mütter Urlaub machen. Naja, die meisten Mütter… Ich habe in den letzten Jahren meist auf die kleinen Kinder aufgepasst, die noch nicht zur Schule gehen, also auch noch nicht mit dabei sind. Und in diesem Jahr ist Jacqueline die einzige unserer Familie, die nach Caldonazzo gefahren ist. Mario, Tobias und der kleine Dennis sind noch zu jung, Sebastian kann als mein leiblicher Sohn selbst entscheiden, ob er mitfährt – er wollte lieber zu Hause bleiben – und der große Dennis hat im letzten Jahr einige schwere Zeiten gehabt und wollte auf gar keinen Fall weg.

Briefe nach Hause

Es gibt einige Kinder, denen es so geht. Einmal war ich selbst als Betreuerin mit in „Caldo“, und ich habe sowohl Jungen und Mädchen erlebt, die am liebsten ewig bleiben wollten, als auch solche, die großes Heimweh hatten und viele Briefe nach Hause schrieben. Ich denke, wenn man die Lebensgeschichte der Kinder berücksichtigt, die ja alle die Trennung von ihren leiblichen Eltern verkraften müssen, wundert es nicht, dass es vielen von ihnen schwer fällt, sich von ihren Kinderdorf-Familien zu verabschieden, und sei es nur für kurze Zeit. Auch Jacqueline wird nur zwei Wochen statt wie die meisten Kinder 4 1/2 Wochen bleiben.

So verbringen wir also mehr oder weniger alle zusammen unsere Ferien zuhause, picknicken im Garten, baden im See oder sitzen im Planschbecken. Im Dorf ist es jetzt viel ruhiger, es gibt keine Besucher und vor allem keine Schulaufgaben – eine schöne Zeit! Noch ist es allerdings nicht ganz so weit, wir befinden uns nämlich im großen Hausputz. Ich wasche die Vorhänge, lüfte Matratzen, räume den Keller auf, die Kinder waschen ihre Legosteine, sortieren kaputtes Spielzeug aus, solange, bis alles blitzt. Und nebenbei muss ich noch meine monatliche Wirtschaftsgeldabrechnung fertig machen. Auch das ist Teil meiner Arbeit. Jede einzelne Ausgabe wird verbucht, ob für Lebensmittel, Schulhefte, Taschengeld oder Busfahrten. Das ist manchmal lästig, aber sinnvoll: Als Spendenorganisation müssen wir nachweisen können, wofür wir das Geld ausgeben, und auch ich selber finde es hilfreich, einen genauen Überblick zu haben.

Also, dann leg ich mal wieder los.
Bis nächste Woche, Alexandra

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