Unser Mann am Mikrophon

Zum Berufsbild der SOS-Kinderdorf-Mutter gehört es, immer mal wieder in die Öffentlichkeit zu treten. Wenn eine Mutter das allerdings gar nicht mag, muss sie auch nicht – es gibt genügend andere Aufgaben! Mir macht die Öffentlichkeitsarbeit Spaß, schließlich leben wir von dem Geld der vielen Spender und ich erzähle ihnen gerne von uns.

Trotzdem habe ich am Wochenende richtig weiche Knie bekommen. Bei uns im Garten wurde ein Pressefrühstück ausgerichtet, weil ein großer Salzburger Energieversorger eine Kooperation mit unserem Kinderdorf eingegangen war und insbesondere die Patenschaft für unser Haus übernommen hatte. Plötzlich waren lauter Kameras auf mich gerichtet, und ichreporter1.jpg sollte Fragen beantworten. Auch die Kinder waren furchtbar aufgeregt. Ich bin da immer sehr wachsam: Das Wohl der Kinder hat ohne jeden Zweifel Vorrang; sobald sie sich nicht mehr wohl fühlen, würde ich das Ganze immer stoppen. Aber sie hatten großen Spaß und wollten unbedingt mitmischen und so hatte Dennis (der kleine) plötzlich das Mikrophon einer Reporterin in der Hand und interviewte an ihrer Stelle die Anwesenden. Wir mussten sehr lachen.

Ja und seit diesem Tag sind wir alle ständig auf der Suche nach Stromfressern. Unser neuer Hauspate hat sämtliche Häuser des Dorfes mit Energiesparlampen versorgt und einiges über das Strom sparen erzählt. Manches weiß man ja ohnehin schon, aber mir war zum Beispiel nicht klar, wie viel Strom allein der Stand-by-Betrieb verbraucht! Bei uns sind nun Fernseher und Stereoanlage an schaltbaren Steckerleisten angeschlossen, die wir ebenfalls bekommen haben. Sobald wir die Geräte nicht brauchen, schalten wir alle zusammen über diesen einen Schalter ab. Vor allem die Größeren sind dabei sehr genau, was ich toll finde: Die weltweiten Energieressourcen sind begrenzt, und es ist offensichtlich, dass man schon die Kinder dafür sensibilisieren kann. Wenn sie zur Schule gehen, schauen sie nun alle nochmal, ob wirklich kein Licht mehr in ihrem Zimmer brennt und keine CD mehr läuft. Sebastian und Dennis sind so Kandidaten, die abends zum Einschlafen eine CD hören und gleich mal auf Endlos-Wiederholung drücken – und am nächsten Morgen läuft die Musik immer noch.

Richtig streiten mussten wir leider auch. Wir wollten alle zusammen für unseren neuen Hauspaten eine Collage machen, das ging auch so lange gut, bis die beiden Kleinen ihren Teil dazu beitragen wollten – das passte Dennis überhaupt nicht. Er ist ein ziemlicher Perfektionist und nun „kritzelten“ die anderen auf seinem großartigen Werk herum. Dennis war so wütend, dass er das ganze Blatt kurzerhand zerrissen hat. Wir beide sind ziemlich aneinandergeraten und haben erst einmal darüber diskutiert, was es heißt, eine Familie zu sein, und ob es denn wichtiger ist, mit einem perfekten Bild zu glänzen oder vielleicht doch eher, dass dieses Bild von allen Familienmitgliedern gemeinsam gestaltet wurde.

Wir haben die Collage dann ohne ihn fertig gemacht, aber ein Stück frei gelassen, das er schließlich doch noch gefüllt hat – gerade noch die Kurve gekriegt!

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2 Responses to “Unser Mann am Mikrophon”


  1. 1 Roswitha Mittwoch, 4. Juli 2007 um 19:20

    Ich finde es nicht gut, wenn die Kinder immer öffentlich präsentiert werden. Auch wenn du sagst, die Kinder lieben das, aber wollen sie diesen Rummel wirklich? Vielleicht könnte man Spenden auch anderwertig beschaffen und die Kameras aus den Häusern verbannen?

  2. 2 soskinderdoerfer Donnerstag, 5. Juli 2007 um 15:03

    Liebe Roswitha,
    vielleicht ist da ein falsches Bild entstanden. Von „immer“ kann wirklich nicht die Rede sein! In unserem Haus tauchen ein bis zweimal im Jahr Kameras auf – einmal zu Muttertag und dann zu besonderen Ereignissen, wie es jetzt der Fall war. Und natürlich achte ich sehr darauf, dass es den Kindern nicht zu viel wird.

    Viele Grüße, Alexandra


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