Bunte Punkte für den Tag

Letzte Woche war es soweit: Ich bin mit Mario für seine große Zahn-Operation ins Krankenhaus nach Salzburg gefahren – und dann wurde die OP nach der ganzen Aufregung noch einmal verschoben. Also haben wir uns stattdessen einen schönen Tag in Salzburg gemacht, und den werde ich so schnell nicht vergessen. Es war Marios Tag.

Seit er bei uns ist, hat er große Fortschritte auf allen Ebenen gemacht, das hat gerade wieder der Kinderfacharzt bestätigt: Sein Wortschatz ist deutlich gewachsen, und er hat gelernt, seine Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken. Er kann es zum Beispiel sagen, wenn er Hunger hat oder müde ist. Früher hat er sich stattdessen auf den Boden geschmissen, und ich konnte rätseln, was los war. Inzwischen fühlt er sich bei uns sicher und zu Hause und ist deutlich ausgeglichener geworden.

Und nun Salzburg – für Mario ein Wunderland: „Schau, Mutti, so viele Busse!“ Und: „Schau, Mutti, eine Pferdekutsche!“ Er war kaum zu halten vor Freude und Begeisterung; das war so ansteckend, dass wir beide bald nur noch strahlten. Wir gingen zum Salzachufer und fütterten die Enten, anschließend bekam er ein riesiges Eis – noch eine Sensation, aber der Höhepunkt war für den Kleinen die Heimfahrt mit dem Zug. Kein noch so teures Geschenk hätte ihn wohl so glücklich kinderamtisch.jpgmachen können wie dieser ungeplante Ausflug, bei dem er ganz allein im Mittelpunkt stand. Die Zahn-OP steht uns natürlich trotzdem noch bevor, ich werde berichten.

An den übrigen Tagen haben wir erst die Sonne und später den Regen genossen: Als es so heiß war, haben wir weiter an unserem Gartenteich gearbeitet und in einem alten Boot ein Kräuterbeet angelegt. Irgendwann kamen dann doch die dunklen Wolken, und wir waren alle richtig froh. Normalerweise sind die Kinder bei schlechtem Wetter nur schwer zu beschäftigen, aber diesmal genossen sie es zu faulenzen oder ausgiebig zu malen. Und ich habe die Gelegenheit genutzt, mit Dennis, meinem Ältesten, mit dem es ja in den letzten Wochen ziemlich schwierig war, einen Plan zu entwerfen. Wir haben zusammen eine Liste mit verschiedenen Aufgabenbereichen erstellt. Da geht es darum, dass er zum Beispiel alleine an seine Zahnspange denken soll und selbständig duschen geht, dass er seine Schularbeiten erledigt und einen angemessenen Umgangston pflegt. Jeden Abend setzen wir uns nunboot.jpg hin und bewerten den Tag. Die einzelnen Bereiche bekommen bunte Punkte. Meistens sind wir uns einig, aber es kommt auch vor, dass wir heiß diskutieren: „Mein Umgangston war doch anständig!“ – „Na, heute Morgen warst du ziemlich patzig!“ Mal überzeuge ich Dennis, mal hat er die besseren Argumente. Am Monatsende bekommt er, je nachdem, wie viel gute Punkte er gesammelt hat, eine kleine Belohnung.

Mir scheint das ein guter Weg zu sein, und Dennis ist ganz engagiert dabei. Jetzt hat mich auch schon der kleine Dennis gefragt, ob er nicht auch so einen Plan haben könne. Den bekommt er. Seinem Alter entsprechend, möchte ich eine Eisenbahn auf ein großes Blatt Papier malen, und für jeden Tag, der gut gelaufen ist, darf er einen Waggon aufkleben.

4 Responses to “Bunte Punkte für den Tag”


  1. 1 Maria Mittwoch, 6. Juni 2007 um 9:32

    Das mit der Eisenbahn ist eine tolle Idee! Aber ist ein Monat denn nicht zu lang? Können (die kleineren) Kinder so lange warten?

  2. 2 soskinderdoerfer Mittwoch, 6. Juni 2007 um 15:02

    Liebe Maria,
    Du hast natürlich Recht: für kleinere Kinder muss der Zeitraum kürzer gewählt werden. Man kann ihnen zum Beispiel sagen, dass sie die Belohnung nach einer Woche bekommen oder wenn sie sechs Waggons aufgeklebt haben.
    Mit Jacqueline habe ich auch mal so einen Plan erstellt. Für sie war der Ansporn, jeden Abend ein Blütenblatt einer Zauberblume anzumalen und so die Blume wachsen zu lassen. Diese Zeit nur mit mir hat sie sehr genossen; die kleine Belohnung für die fertige Blume war für sie überraschenderweise nebensächlich.
    Viele Grüße, Alexandra

  3. 3 Katrin Mittwoch, 6. Juni 2007 um 19:30

    Liebe Alexandra.
    Auch ich bin, wie so viele hier, durch Zufall über Dein Tagebuch „gestolpert“ und irgendwie scheint es mir jetzt, als wäre es kein Zufall, sondern „Schicksal“ – ich finde mich in vielen Deiner Themen wieder und erkenne (mal wieder), dass die Probleme, die ich mit meiner Tochter (3 1/2 Jahre) habe, völlig normal sind (und wohl auch fast harmlos im Vergleich zu Deinem „Programm“ mit den Kindern).
    Und ich bin dankbar für Deine tollen Anregungen – dass Du mit Dennis jeden Abend den Tag besprichst und bewertest, finde ich einfach klasse! Auch die Anregung zu basteln ist großartig – ich bin sicher, sie wird mir und Jule viel Entspannung in unserem täglichen Zusammenleben bringen!
    Hab ganz herzlichen Dank für Dein tolles Tagebuch und jede Menge Hochachtung und Respekt vor Deiner tollen Arbeit!
    Ganz herzliche Grüße, Katrin
    P.S. habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, die Arbeit mit Tieren auszuweiten? Viele Tiere, gerade auch Hunde, sind ja fantastische „Therapeuten“ für Kinder!

  4. 4 silvia Sonntag, 10. Juni 2007 um 21:40

    Hallo liebe Alexandra!

    Ich lausche gerne deinen Erzählungen und danke dir von Herzen für deine Berichte. Gerne spreche ich dir an dieser Stelle ein Kompliment aus für deine Liebe und für deinen Einsatz für die Kinder in deiner Familie. Ebenso möchte ich mich für das Marmelade-Rezept bedanken.
    Alles Liebe
    Silvia


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