Neue Ziele für Mario

Seit Freitag geht Mario aufs Töpfchen! Ein schöner Zufall, denn wenige Tage später kamen Mitarbeiter des Jugendamtes und die leiblichen Eltern von Mario und Tobias, meinen beiden Jüngsten, zur Hilfeplanüberprüfung zu uns ins Haus. Ein- bis zweimal im Jahr werden bei diesen Treffen die Entwicklungsfortschritte eines jeden Kindes besprochen und neue Ziele festgelegt. Wir haben dann gleich als eines der Ziele für Mario definiert, dass er bis Herbst, wenn er drei Jahre alt ist, trocken sein sollte. Weitere Ziele: seine Motorik und seine sprachliche Entwicklung sollen gefördert werden, und wenn alles gut läuft, soll er im Herbst in den Kindergarten gehen.

Ausflug Blogeintrag 19. April

Natürlich bedeuten diese Gespräche Mehrarbeit für mich, genauso, wie die halbjährlichen Entwicklungsberichte, die ich meistens abends, wenn die Kinder schlafen, verfasse, das macht aber nichts, denn vor allem sind sie mir eine große Unterstützung: Im Gespräch sehe ich die Dinge oft noch mal aus einer anderen Perspektive und tappe nicht so leicht in eine Falle, und bei schwierigen Entscheidungen kann ich mich mit kompetenten Menschen beraten, denen das Wohl der Kinder ebenfalls wichtig ist.

Ein Netz von Helfern
Wir SOS-Kinderdorf-Mütter bewegen uns ja in einem großen Helfernetz. Gestern zum Beispiel habe ich mit der Leiterin unseres Kindergartens über den kleinen Dennis gesprochen. Dennis, 5 Jahre alt, leidet an ADHS, dem „Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitäts-Syndrom“. Bei ihm wirkt sich das so aus, dass er sich oft schwer konzentrieren kann, unruhig und zappelig ist, auch aggressiv wird. Mit der Kindergartenleiterin habe ich überlegt, welche Schule wohl im nächsten Jahr für ihn in Frage kommt und welche Spiele Dennis helfen können, sich zu konzentrieren. Wie allen Kindern hilft es auch Dennis, wenn man seine Stärken fördert. Unglaublich, wie gut er sich beim Memory anstellt, oder auch beim Puzzeln. Da ist er selbst dann noch blitzschnell, wenn er das Bild verkehrt herum zusammenbaut.
Ich weiß inzwischen, dass Dennis einen sehr strukturierten Tagesablauf und viel Stabilität für sein inneres Gleichgewicht braucht. Abweichungen teile ich ihm möglichst lange im Voraus mit. Zum Beispiel beginne ich bereits am Sonntag, ihn immer wieder daran zu erinnern, dass er am Dienstagmorgen anstatt in den Kindergarten zur Ergotherapie geht. Falls ich diese Hinweise einmal vergesse, ist für ihn der Tag gelaufen, er gerät vollkommen durcheinander.

Auch die Ergotherapeutin gehört zum Netzwerk. Dennis lernt mit ihr durch verschiedene Spiele und Massageanwendungen, sich und seinen Körper besser wahrzunehmen. Die Sitzungen tun ihm sehr gut und ich möchte versuchen, dass er statt einer Stunde zwei Stunden pro Woche bekommt. Leider kann ich das nicht selbst entscheiden: das Jugendamt muss einwilligen und natürlich auch die Krankenkasse. Das ist oft ein mühsamer Weg, aber er lohnt sich.

So, und nun schaut der große Dennis schon zum zweiten Mal durch die Tür. Ich ahne, was er möchte: Offenbar hat er heute in der Schule etwas ausgefressen. Nun will er sicher beichten…

Bis bald, Alexandra

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3 Responses to “Neue Ziele für Mario”


  1. 1 Gerhard Lechner Freitag, 20. April 2007 um 19:17

    Sehr geehrte Fr. Alexandra,

    seit ich diese Seiten entdeckt habe schaue ich immer wieder gerne
    interessiert vorbei.
    Heut hab ich mich gefragt was denn die leiblichen Eltern wohl überprüfen wollen.

    Sie und ihre Kolleginnen haben meine größte Hochachtung.
    (..und die Väter, falls vorhanden, natürlich auch)

    Alles Gute und liebe Grüße
    Gerhard

  2. 2 nejla Freitag, 20. April 2007 um 20:12

    ich finde die sos-organisation sehr faszinierend wie es so
    weltweit gut organisiert ist und überhaupt die prinzipien
    und dass man einfach ein offenes türchen für arme , verwaiste kinder hat ,ist sehr sehr menschlich und herzlich.
    ich hoffe dass die sos-kinderdörfer für immer erhalten bleiben.
    mit freundlichen grüßen

  3. 3 Gisela Mittwoch, 9. Mai 2007 um 12:46

    Hallo Guten Tag liebe Alexandra,
    mit großem Interesse habe ich Ihr Internet-Tagebuch gelesen. Ich bin sehr froh, dass es solch engagierte Menschen wie Sie gibt, die sich um Kinder kümmern, die es „zu Hause“ nicht so gut hatten – und ein schönes richtiges ZuHause im Kinderdorf gefunden haben.
    Seit über 20 Jahren unterstütze ich die SOS-Kinderdörfer finanziell und weiß, dass das Geld sinnvoll angelegt ist. Bei uns in der Nähe gibt es auch ein SOS-Kinderdorf, in Hilbringen im Saarland.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft bei der Bewältigung Ihrer nicht leichten Aufgabe – und freue mich für die Kinder, dass sie auch in Ihrer Familie akzeptiert und angenommen sind.
    Ihr Tagebuch werde ich weiter mit Begeisterung lesen.
    Herzliche Grüße
    Gisela


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