Besserung in Sicht! Mario hat die Windpocken hinter sich und auch bei seinem kleinen Bruder Tobias klingen sie allmählich ab. (Danke übrigens für die guten Wünsche!) Dennis und ich üben gerade einen neuen Umgang miteinander ein. Das hat zum Beispiel damit zu tun, dass wir mehr aushandeln. Gestern Abend sagte er, dass er es unfair finde, schon um acht Uhr ins Bett zu müssen, obwohl er bereits elf Jahre alt sei. Also schlug ich vor, dass er eine halbe Stunde länger aufbleiben darf, sofern er alles erledigt hat. – „Nur eine halbe Stunde???“ – „Meinetwegen auch eine Stunde, aber das bleibt eine Ausnahme.“ – „Na, gut!“ In anderen Fällen mache ich keine Kompromisse, zum Beispiel bei den Hausaufgaben. Bevor die nicht erledigt sind, geht kein Kind zum Spielen, das ist bei uns eiserne Regel. Ein einziges Mal habe ich mich darauf eingelassen, Dennis gleich nach dem Mittagessen mit seinen Freunden losziehen zu lassen. Er versprach mir, sich ganz bestimmt später an die Übungen zu machen – das hat leider überhaupt nicht funktioniert.
Naja, auf jeden Fall bin ich in dieser Woche wieder ein bisschen zum Luft holen gekommen und habe die warmen Tage genossen. Zusammen mit den Nachbarn haben wir uns einen Pool gekauft, der immerhin so groß ist, dass man mit einer Luftmatratze darin herumpaddeln kann. Er steht genau in der Mitte zwischen den beiden Häusern und war das große Ereignis für die Kinder an diesem Wochenende. Mit Jacqueline habe ich bereits Hollersaft angesetzt und die erste Marmelade der Saison eingekocht: Erdbeer-Rhabarber. Den Rhabarber habe ich vom Bauern bekommen und die Erdbeeren dazugekauft, da unsere eigenen noch nicht so weit sind. Die Kinder lieben diese Marmelade!
Hier das Rezept für alle, die Lust haben, es mal auszuprobieren:
750 Gramm Erdbeeren und 250 Gramm Rhabarber waschen und klein schneiden und mit 1 KG Gelierzucker (eins zu eins) und dem Saft von einer Zitrone zum Kochen bringen. Das Ganze vier Minuten sprudelnd kochen lassen und in sterile Gläser füllen. Wenn man die Gläser vorher mit ganz wenig hochprozentigem Alkohol, zum Beispiel Strohrum ausspült, so dass die Innenseite und auch der innere Deckel damit benetzt werden, hält das den Schimmel fern und verfeinert den Geschmack.
Leider hat meine Entspannung auch schon wieder ihre Grenzen: Wenn ich an morgen denke, wird mir ganz mulmig, denn morgen hat Mario nun seinen ersten großen Zahnarzt-Termin. Bevor er zu uns kam, hat er vor allem Zuckerwasser zu trinken bekommen, ich habe davon in der ersten Folge erzählt. Seine Zähne sind alle verfault und eitern, was natürlich auch für das Immunsystem ganz schlecht ist, Schmerzen hat er natürlich auch, man merkt es an den roten Bäckchen und der vorsichtigen Art, mit der er isst. Letztendlich bin ich also froh, dass endlich was passiert. Unter Vollnarkose werden Mario wohl so ziemlich alle oberen Zähne gezogen. Danach wird man sehen, wie es weitergeht und ob er Platzhalter oder eine Kinderprothese bekommt. Jetzt überlege ich schon den ganzen Tag, womit ich Mario morgen verwöhnen kann. Auf jeden Fall bekommt er ein Kuscheltier, mal schauen, was mir sonst noch einfällt.
Es ist sehr schwierig für uns alle. Ich weiß nicht einmal genau, ob der Elternsprechtag der Anlass war. Es könnte genauso gut etwas anderes gewesen sein – er redet ja nicht darüber und lässt mich generell nicht mehr an sich heran. Obwohl ich in meiner Ausbildung immer wieder die Empfehlung gehört habe, solche Dinge nicht zu persönlich zu nehmen, fällt mir das in diesem Fall sehr schwer. An jenem Donnerstag setzte ich mich, als die Kinder im Bett waren, noch mit Erwin hin und erzählte ihm, was den ganzen Tag über los war. Es kommt nicht oft vor, dass ich heulen muss, aber an diesem Abend war es soweit. In solchen Momenten bin ich besonders froh, einen Partner zu haben, der einfach da ist und zuhört. 
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